
Schwester M. Damaris Dorobisz OSF
Wenn ich auf den Weg meiner Berufung zurückblicke, sehe ich, dass es ein Prozess war. Als ich ein Teenager war, starb mein Großvater, den ich sehr liebte und der mir sehr nahestand. Damals verstand ich die Bedeutung dieses Verlusts nicht; ich rebellierte und ging nicht mehr in die Kirche. Das dauerte zwei Jahre. Auf meinem Lebensweg tauchte ein Junge auf. Ich war begeistert von seiner Familie, ihrer Authentizität und ihrer gegenseitigen Liebe, die aus der lebendigen Teilnahme am Leben der Kirche entsprang. Eines Tages schlug er mir vor, mit ihm zu einem Bildungstreffen der Weltleben-Bewegung (Oasis) zu gehen. Ich wehrte mich innerlich dagegen, willigte aber nach einiger Zeit ein. Ich erinnere mich bis heute an die strahlenden Gesichter dieser Menschen und die unglaubliche Freude, die sie ausstrahlten. Da dachte ich: „Das möchte ich auch machen…“. Ich ging in meine Pfarrei und sagte vor dem Bild des Barmherzigen Jesus: „Wenn du existierst – beweise es mir.“ Ich wurde von der Oasis zu fünftägigen Exerzitien eingeladen, wo ich die unermessliche Gnade erlebte, Jesus im Sakrament der Buße und Versöhnung mit Liebe zu umarmen.
Ich begann eine Ausbildung bei Oasis, die die Entwicklung meines spirituellen Lebens prägte. Ich fing an, täglich an der Eucharistie teilzunehmen, das Wort Gottes zu studieren und tiefer in eine freundschaftliche Beziehung zu Jesus einzutreten. Bei einer der Oasis-Exerzitien gab es eine Passage aus dem Markus-Evangelium zur Betrachtung, in der mich die Worte „Folge mir nach…“ tief innehalten ließen und mich sehr bewegten; diese Worte wirkten sehr stark auf mich, und es kam der Gedanke auf, einer Ordensgemeinschaft beizutreten.
Doch wieder ich wies diese Gedanken von mir und erklärte Jesus, dass ich schließlich einen Freund habe. Ein weiteres Jahr verging, in dem sich der Wunsch verstärkte, ausschließlich für Jesus da zu sein. Bei einer weiteren Exerzitienwoche hörte ich bei der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments in meinem Herzen: „Ich bin es, der dich liebt…“, und Tränen liefen mir aus den Augen. Doch ich redete mir weiterhin ein, dass ich mir diese Berufung nur einbilde.
Im Laufe des nächsten Jahres ermahnte mich Jesus sanft auf verschiedene Weise. Ich spürte in meinem Herzen, dass ich unendlich gerne ganz für Ihn da sein wollte, aber ich wusste nicht sicher, ob dies von Ihm kam. Und so beschloss ich, mich von meinem Freund zu trennen, um die Berufung noch ein weiteres Jahr lang zu prüfen. Während dieser Zeit fand ich unsere Kongregation im Internet. Ich fuhr nach Oldrzychowice Klodzkie, und als ich dort war, spürte ich, dass es genau das Richtige war…
Nach vielen inneren Kämpfen verließ ich eine Welt, in der ich enge Freunde, Familie und die Oasis hatte, mit denen ich stark verbunden war. Ich vertraute sie alle dem Herrn an und trat am 4. Oktober 2017 in das Vor-Noviziat ein. Es war schwer, meine Lieben zu verlassen und sie weinen und verzweifeln zu sehen, aber der Herr gab mir die Kraft und die Gnade, das durchzustehen. Seit dem Tag meines Eintritts ist mein Herz von Frieden und Glück erfüllt, weil ich eine lebendige Beziehung zum Herrn Jesus und zu seinem liebenden Herzen erlebe. Ich bin Gott dankbar, dass er mich berufen und mir die Kraft gegeben hat, seinem Ruf zu folgen.
