
Advent in unserer internationalen Gemeinschaft
Für weltweit etwa 2,5 Milliarden Christen ist der Advent eine ganz besondere Zeit im Kirchenjahr: Eine Zeit voller Erwartung und Vorbereitungen auf Weihnachten, dem Fest der Menschwerdung unseres Herrn. Eine Zeit der Stille, der Besinnung, der vielfältigen Traditionen.
Diese Traditionen wollten wir uns einmal genauer ansehen und haben die Mitglieder unserer multinationalen und multikulturellen Gemeinschaft gefragt, wie die Adventszeit in ihrer Heimat gefeiert wird.
Das Ergebnis: Es gibt große Gemeinsamkeiten! So werden an all unseren Standorten besonders festliche Adventsgottesdienste gefeiert, Kerzen an den Adventskränzen entzündet und im Dezember täglich die Türen von Adventskalendern geöffnet. Auch wird das Warten aufs Weihnachtsfest überall als Zeit des Gebetes und der spirituellen Reflexion genutzt. Und das Licht spielt eine große Rolle: Lichter in dunkler Zeit, der Stern am Horizont: Denn es wird kommen der Herr. Aber es gibt auch Unterschiede. Einige davon haben wir zusammengestellt.

Deutschland
In Deutschland stellen die Kinder am Vorabend des 6. Dezember ihre schön geputzten Schuhe oder Stiefel vor die Haustür – und finden darin am Morgen kleine Geschenke und Süßigkeiten des Hl. Nikolaus. Diesen Heiligen soll auch der „Stutenkerl“ darstellen. Früher erhielten ihn Kranke oder Menschen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen konnten, als Segenszeichen.
Der Beginn der Adventszeit wird in der Mutterhauskirche in Münster mit einer besonders feierlich gestalteten Vesper gefeiert. Dabei zündet ein Priester die erste Kerze am Adventskranz an, während die Schwestern das Lied singen: „Wir sagen Euch an den lieben Advent…“. Seit einigen Jahren wird in der Mutterhauskirche auch ein festliches Benefiz-Konzert mit Weihnachtsliedern zu Gunsten des Johannes-Hospizes Münster veranstaltet. 400 Kerzen brannten bei den „Christmas Carols 2025“ am 7. Dezember 2025 mit dem Konzertchor Münster; es waren auch viele Kinder beteiligt. Auch die beeindruckende Lichtshow und unser Organist Markus Schröder trugen zum Erfolg des Konzertes bei.

Ich erinnere mich an eine Tradition aus meiner Grundschulzeit: Jedes Kind, das eine gute Tat vollbracht hatte, legte in der Adventszeit dafür einen Strohhalm in die Krippe, damit das göttliche Kind an Weihnachten weich gebettet werden konnte.
Schwester M. Benedikte
Was wäre der Advent ohne Plätzchen? In unserem Mutterhaus in Münster haben unsere vietnamesischen Mitschwestern mit Schwester M. Vera viele Plätzchen gebacken und dann mit Schwester M. Rita im Generalat mit Schokolade verziert. Zum Adventsbesuch fuhren die Schwestern auch nach Kroge.



Polen
In vielen Gegenden in Polen bringen Kinder symbolisch das Licht zu den Häusern der Menschen, und in den Klöstern werden Krippen und Adventskrippen liebevoll gestaltet. Die Schwestern der Polnischen Provinz bieten spirituelle und materielle Hilfe an, indem sie Weihnachtspakete für Bedürftige organisieren und Treffen und Gespräche mit sozial ausgegrenzten Menschen anbieten.

Eines der charakteristischsten Merkmale des Advents in Polen ist die Rorate-Messe – eine Liturgie, die zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria in den frühen Morgenstunden, meist vor Sonnenaufgang, gefeiert wird. Die Teilnehmer bringen Kerzen oder Laternen mit, die die Erwartung des kommenden „Lichts der Welt“ – Jesus Christus – symbolisieren.
Schwester M. Teresa
In Oldrzychowice in unserer Polnischen Provinz organisierten Schwester M. Franciska Wanat und einige Ehrenamtliche einen Nikolausbesuch für die Kinder, die von der Flutkatastrophe im September 2024 betroffen waren. 52 Kinder nahmen an der Veranstaltung teil und verbrachten einen schönen Nachmittag zusammen.




USA
In USA haben die Adventskalender 25 Türchen, weil Weihnachten nicht an Heiligabend gefeiert wird, sondern am 25. Dezember.
Ich singe sehr gerne Adventslieder, um mich auf die Ankunft unseres Herrn vorzubereiten. Vor etwa 40 Jahren habe ich Händels Messias kennengelernt und höre ihn oft. Als ich ein Kind war, hatte die Krippe in unserem Haus einen ganz besonderen Stellenwert. Im Noviziat übten wir uns jeden Tag mit besonderen Gedanken im spirituellen Aufbau der Krippe.
Schwester Janelle Athorp, OSF
Japan
In Mutterhaus in Himeji verwenden die Schwestern seit etwa 20 Jahren violette und rosafarbene Kerzen, die sie aus der koreanischen Mission mitgebracht haben. Violett steht für Reue, Rosafarben für Freude. Wenn sich die Farben der Kerzen von drei tiefvioletten zu drei hellvioletten und dann zu einer rosafarbenen Kerze verändern, rückt Weihnachten näher.



Unsere Gemeinschaft hat die Tradition der Missionarinnen übernommen, eine „geistige Krippe“ zu gestalten. Wir bereiten uns darauf vor, Christus willkommen zu heißen, indem wir diese Krippe bauen und „Stroh“ in unseren Herzen auslegen, indem wir Gebete, Opfer und gute Taten sammeln.
Schwester M. Laetitia
Indien
In einigen Regionen Indiens werden im Advent Rosenplätzchen, Kulkuls und Früchtebrot gebacken. Über soziale Medien und Gemeindegruppen beteiligen sich viele Menschen in Indien an Wohltätigkeitsaktionen und Hilfsprogrammen, sodass die Adventszeit nicht nur der spirituellen Vorbereitung dient, sondern auch dazu, Liebe und Freude mit anderen zu teilen.
In Indien empfinden wir tief, was es bedeutet, erwartungsvoll zu warten – auf den Monsun, auf die Ernte, darauf, dass das Licht die Dunkelheit besiegt. Wenn wir die Kerzen am Adventskranz entzünden, erinnere ich mich an die Diyas von Diwali – beide leuchten als Zeichen der Hoffnung.
An alle meine Schwestern auf der ganzen Welt: Möge dieser Advent uns helfen, die Schönheit des Wartens wiederzuentdecken – nicht mit Angst, sondern mit Frieden und Vertrauen. Mögen unsere Herzen zu demütigen Wiegen der Hoffnung werden, bereit, den Friedensfürsten zu empfangen. Und möge unser Leben, wo immer wir auch sind, wie kleine Lampen leuchten und die Wärme und das Licht der Liebe Christi an alle weitergeben, denen wir begegnen.
Schwester M. Renita
Wir danken den Schwestern unserer internationalen Ordensgemeinschaft, die uns Informationen zum Advent in ihren Heimatländern geschickt haben: Schwester M. Benedikte (Deutschland), Schwester Teresa (Polen), Schwester Schwester Janelle (USA), Schwester M. Laetitia (Japan) und Schwester M. Renita (Indien).