
Krankenwagenspende in Pithora
Wie Familie Anil hilft, Leben zu retten
Am 2. Februar 2025 wurde das neu erbaute Anjali-Krankenhaus der Schwestern der Indischen Provinz in Pithora, Raipur, gesegnet und eingeweiht. Als Zeichen der Verbundenheit spendete Herr Anil, der für den Bau des Krankenhausgebäudes verantwortliche Bauunternehmer, den Schwestern einen Krankenwagen für dieses Krankenhaus.
Als Herr Anil Schwester M. Johncy, der Provinzoberin der indischen Provinz, den Schlüssel überreichte, war er sehr bewegt. In seiner Ansprache brachte er seine schmerzhaften Erinnerungen, aber auch seine Freude zum Ausdruck:

„Diesen Krankenwagen schenke ich dem Krankenhaus und seinen Patienten in Erinnerung an meine geliebten Eltern. Als ich ein junger Mann war, war meine Familie in einen tragischen Autounfall verwickelt. Ich erinnere mich noch lebhaft an den Vorfall, der sich nur vier Tage vor meiner Hochzeit ereignete. Meine Eltern wurden schwer verletzt. Obwohl wir alles versuchten, um einen Krankenwagen zu rufen und meine Eltern rechtzeitig ins Krankenhaus zu bringen, gelang es uns nicht. Hilflos standen wir um meinen Vater herum, als er starb. Kurz darauf wurde meine Mutter zwar noch in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht, das 80 Kilometer vom Unfallort entfernt war, aber auch sie starb wenige Monate später.
Durch diese erschütternde Erfahrung wurde mir bewusst, wie verletzlich das menschliche Leben ist. Ich wurde auch Zeuge mehrerer anderer kritischer Fälle im Krankenhaus und sah, wie Menschen leiden, wenn in kritischen Situationen keine rechtzeitige Hilfe verfügbar ist. Der Schmerz über diesen Verlust blieb – ein Schmerz, den ich noch immer in mir trage. Ich hätte meinen Vater nicht verloren, wenn rechtzeitig ein Krankenwagen verfügbar gewesen wäre…
Jetzt, wo ich hier stehe und Ihnen genau das übergebe, was meinen Vater hätte retten können, ist mein Herz voller schmerzhafter Erinnerung und doch voller Freude. Als ich mit der Arbeit an diesem Krankenhausprojekt begann, fassten meine Familie und ich einen Entschluss, der uns sehr am Herzen lag: Wir wollten Ihrem Krankenhaus einen Krankenwagen schenken, in der Hoffnung, damit so viele Leben wie möglich zu retten. Was meinem Vater widerfahren ist und was meine Mutter durchgemacht hat, sollte keinem anderen Unfallopfer mehr passieren. Wir sind froh, dass wir das tun können. Das Geld für den Kauf dieses Fahrzeugs haben wir als Familie gemeinsam gesammelt. Sogar meine Kinder haben ihr gesamtes Taschengeld gespendet, um diesen Betrag zusammenzubekommen.“

Die Schwestern unserer Indischen Provinz und der gesamten internationalen Ordensgemeinschaft sind Herrn Anil und seiner Familie für diese wunderbare und lebensrettende Spende zutiefst dankbar.
Mit der Gründung dieses Krankenhauses in Pithora ist ein Lebenstraum der ersten Missionarinnen Schwester M. Vulmara Hannöver und Schwester M. Gerburg Aufderheide, der Schwestern der Indischen Provinz und aller Schwestern unserer der Kongregation, die an der Planung und Betreuung der Indienmission beteiligt waren, in Erfüllung gegangen. Vor 52 Jahren reiste Schwester M. Vulmara nach Indien, und im folgenden Jahr, 1974, kam Schwester M. Gerburg in Pithora an. Sie mussten bei Null anfangen.
Das Leben war für beide sehr hart. Die Menschen im Dorf waren sehr arm. Wenn jemand im Dorf krank war, baten sie die Schwestern um Tabletten gegen Fieber, Malaria, Typhus, Krätze…Damals fanden Geburten oft zu Hause statt. Bei Komplikationen halfen die Schwestern bei der Geburt des Kindes… Diese Erfahrungen haben sie dazu bewogen, auf sehr bescheidene Weise eine kleine Krankenstation einzurichten…

Bei der Einweihung des neu erbauten Gebäudes, des Anjali-Krankenhauses, sagte unsere Generaloberin Schwester M. Margarete Ulager in ihrer Ansprache an die Schwestern: „Wenn ich an all das zurückdenke, was hier in den zweiundfünfzig Jahren des Bestehens der Indischen Provinz geschehen ist, liebe Schwestern, bin ich voller Demut, vor Ihnen zu stehen. Sie alle haben so viel erreicht und immer versucht, Gottes Willen in der Realität Ihres täglichen Lebens zu finden. Was vor mehr als 50 Jahren aus den bescheidenen Anfängen von Schwester Gerburg entstanden ist, ist unglaublich. Schwester Gerburg, Sie haben Indien zu Ihrer Heimat gemacht und sind gleichzeitig ‚Amma‘ geworden, eine Mutter für so viele Menschen: ihre Krankenschwester, ihre Hebamme, ihre Lehrerin, ihre Versorgerin, ihre Lebensretterin und ihre Trösterin.“
Die indische Provinz hat fast hundert Mitglieder, die an 17 verschiedenen Orten in ganz Indien tätig sind. Geleitet von der Vision unseres Gründers Pater Christopher Bernsmeyer aus dem Jahr 1844, führen die Schwestern seine Mission fort, indem sie als Gesundheitsfachkräfte, Lehrerinnen und Sozialarbeiterinnen dienen – in dem Bestreben, die heilende Gegenwart Christi zu sein und zu werden.
Sr. M. Lima Arackal
