Pilgerinnen der Hoffnung (9): Unterstützung

Die Reihe „Pilgerinnen der Hoffnung“ ist ein monatlich erscheinender geistlicher Beitrag zum Heiligen Jahr – eine Kooperation des internationalen Generalats der Mauritzer Franziskanerinnen und der Kirchenzeitung „Kirche und Leben“. Unser Thema im September: Unterstützung

Dieser Artikel wurde im September 2025 in „Kirche+Leben“ veröffentlicht.

25.09.2025. Vor einem Jahr, Mitte September 2024, wurden weite Teile Osteuropas von Starkregen und Überschwemmungen heimgesucht. Etliche Menschen verloren ihr Leben. In Polen war genau die Region besonders betroffen, in denen die Mauritzer Franziskanerinnen seit 1848 tätig sind: Als ein Staudamm brach, ergoss sich eine Flutwelle in den niederschlesischen Ort Ołdrzychowice Kłodzkie mit dem Mutterhaus unserer Polnischen Provinz. Straßen, Mauern, Autos, Zäune, Bäume wurden einfach fortgerissen und weggespült, Häuser liefen voll. Als das Wasser endlich ablief, zeigte sich das ganze schlimme Ausmaß der Verwüstung.

Das Mutterhaus der Polnischen Provinz war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten

Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Provinzoberin der Polnischen Provinz, Schwester M. Maksymiliana Pilarska, mit einer Delegation von Mitschwestern in Münster, um am Generalkapitel der internationalen Kongregation teilzunehmen. „Mit der Hälfte unserer Gruppe reisten wir so schnell wie möglich zu unserem Mutterhaus zurück,“, erinnert sie sich heute. Was die Schwestern vorfanden, übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen. „Die Gebäude standen meterhoch voll Wasser. Es gab keinen Strom, keine Heizung, kein frisches Wasser, kein Telefon, kein Internet.“ Auch ein Jahr später sind die Renovierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen.

Schwester M. Stella Kowalska sorgte für Wärme und Essen

Doch der Blick zurück ist nicht nur von Entsetzen geprägt, sondern auch von Dankbarkeit. „Die Unterstützung, die wir in dieser Notsituation erfahren haben, war unglaublich – vor Ort und international.“ Diese Unterstützung kam sowohl von den Nachbarn, von Menschen aus der Region und von der polnischen Regierung als auch von den Familien der Schwestern und der internationalen Ordensgemeinschaft. „Das Generalat, unsere internationale Leitung in Münster, beschaffte Generatoren, Trockengeräte und Materialien, die in unserer Region sofort vergriffen waren“, berichtet Schwester Maksymiliana. „Außerdem Medikamente, Wasser, Lebensmittel und vieles mehr.“ Auch die Deutsche Ordensprovinz, die St. Franziskus-Stiftung und die Pfarrei St. Antonius in Münster beteiligten sich an der Soforthilfe, genauso wie die Spedition Fiege Healthcare Logistics, die für den Transport sorgte. Dringend notwendige finanzielle Hilfe kam ebenfalls aus Münster und von vielen Menschen in Polen und der ganzen Welt. Bis November 2024 gingen 369 Geldspenden bei den Schwestern ein, kleine und größere. Die Schwestern teilten diese Sach- und Geldmittel mit anderen Betroffenen vor Ort. „Bei all unseren Unterstützern möchten wir uns nochmals von ganzem Herzen bedanken“, betont Schwester Maksymiliana.

Kurze Pause für Provinzoberin Schwester M. Maksymiliana Pilarska beim Brennholz-Schlagen

„Dass wir uns in Notlagen gegenseitig helfen können, gehört zu den großen Genschenken unserer Internationalität“, sagt die Generaloberin der Mauritzer Franziskanerinnen, Schwester M. Margarete Ulager. Doch ist die weltweite Hilfe der Franziskanerinnen weder auf akute Situationen begrenzt noch auf die eigene Gemeinschaft. So haben die Schwestern in USA, die seit 1875 im Gesundheitsdienst tätig sind und viele Krankenhäuser im Mittleren Westen gegründet haben, „Mission Outreach“ ins Leben gerufen: Die Organisation mit Sitz in Springfield, Illinois, kümmert sich um die dringenden medizinischen Bedürfnisse von Menschen in ressourcenarmen Gebieten auf der ganzen Welt, indem sie in US-amerikanischen Krankenhäusern medizinische Hilfsgüter und Geräte sammelt, diese sortiert, bei Bedarf repariert und dann weltweit an Krankenhäuser und medizinische Hilfsorganisationen verteilt.

Unterstützung durch mehr als 300 Freiwillige

Die Abteilung für Biomedizintechnik von „Mission Outreach“ testet und verwaltet jedes Jahr 700 medizinische Geräte mit den dazugehörigen Verbrauchsmaterialien. Bei der Verpackung, Inventarisierung und Versendung der Hilfsgüter kann die Organisation auf die Unterstützung von mehr als 300 Freiwilligen zählen. So ist es seit der Gründung im Jahr 2002 gelungen, medizinische Hilfsgüter und Geräte im Wert von über 85 Millionen Dollar zu retten, die sonst auf Mülldeponien gelandet wären. Weltweit konnten schon 530 medizinische Hilfsorganisationen unterstützt werden; im August 2024 freute sich das Team von „Mission Outreach“ darüber, dass mit einer Lieferung nach Burundi das 100. Land erreicht wurde.

„Was kann ich persönlich tun, um Not zu lindern – jetzt und hier, mit meinen Mitteln und Möglichkeiten?“ Diese Frage hat bereits vor 800 Jahren unseren Namenspatron bewegt, den Hl. Franziskus von Assisi. Er verschenkte all seinen weltlichen Besitz und widmete sein Leben dem Dienst an Gott und den Menschen, die krank und ausgegrenzt waren. Inspiriert von seinem Vorbild, haben wir Mauritzer Franziskanerinnen seit der Gründung der Ordensgemeinschaft 1844 weltweit immer wieder neue Antworten auf diese Frage gesucht. Und haben voller Dankbarkeit die Unterstützung angenommen, die uns gewährt wird. Zum Beispiel von Leoś, einem 10-jährigen polnischen Jungen: Von dem Geld, das er zur Kommunion geschenkt bekommen hatte, kaufte er den Schwestern in Ołdrzychowice Kłodzkie einen Luft-Entfeuchter.

Schwester M. Beata Kapica, Claudia Berghorn

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