21. Internationales Generalkapitel der Mauritzer Franziskanerinnen in Münster: Ordensschwestern aus aller Welt tagen vom 8. – 22. September 2024 am Domplatz

Münster, 28. August 2024. Vom 8. – 22. September 2024 findet in Münster das 21. Internationale Generalkapitel der Mauritzer Franziskanerinnen statt. Die 1844 in Telgte gegründete Ordensgemeinschaft mit Standorten in Deutschland, Polen, Amerika, Japan und Indien wird im Bischöflichen Priesterseminar Borromaeum am Domplatz in Münster tagen, um eine neue internationale Generalleitung zu wählen und vielfältige Themen rund um Glauben, Leben und Wirken aller Schwestern weltweit zu diskutieren. Die Wahl der neuen Generaloberin für eine Amtszeit von sechs Jahren findet am 14. September 2024 unter Vorsitz von Bischof Dr. Felix Genn statt, ebenso wie ihre anschließende Amtseinführung in der Mutterhauskirche der Franziskanerinnen. Auch die internationalen Generalrätinnen der Ordensgemeinschaft werden neu gewählt. Vorab haben die weltweit 524 Schwestern der Kongregation dafür 33 wahlberechtigte Delegierte bestimmt, die zum Generalkapitel nach Münster reisen.

Die feierliche Eröffnung des Generalkapitels findet am Sonntag, 8. September 2024, um 10 Uhr im Rahmen einer Eucharistiefeier mit Dompropst Hans-Bernd Köppen im St. Paulus Dom in Münster statt, mit dem Spiritual der Ordensgemeinschaft, Professor Pater Dr. Dr. Michael Plattig als Konzelebrant. Diese Heilige Messe wird auf der Internetseite des Bistums Münster, www.bistum-muenster.de, sowie auf dem Youtube- und Facebook-Kanal des Bistums gestreamt. Über den Verlauf des Generalkapitels wird ab Anfang September auf der Internetseite des Generalats, www.generalat-hsosf.de, fortlaufend berichtet.

Das Generalkapitel ist die höchste beschlussfassende Versammlung der Kongregation und gliedert sich in ein Wahlkapitel zur Neubesetzung der Leitungsämter und ein Sachkapitel mit einer großen Bandbreite von Themen, von der gemeinsamen Spiritualität der internationalen Gemeinschaft über die verschiedenen Dienste der Schwestern bis zur konkreten Lebensgestaltung an den weltweiten Standorten. „Die perspektivische Arbeit wird auf diesem Generalkapitel einen hohen Stellenwert haben“, erläutert die scheidende Generaloberin Schwester M. Margarete Ulager, die gemeinsam mit ihren Rätinnen am 10. September offiziell aus ihrem Amt verabschiedet wird. „Wir stehen vor der großen Aufgabe, die Zukunft unserer internationalen Gemeinschaft im aktuellen Kontext der weltweit angespannten Situation in Kirche, Gesellschaft und Politik gemeinsam zu planen und zu gestalten – im Vertrauen auf die Führung des Heiligen Geistes.“ Das Motto des Generalkapitels lautet: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh. 14, 6).

Zum anstehenden 21. Generalkapitel sind neben den wahlberechtigten Schwestern erstmals auch Juniorats-Schwestern aus Polen, Japan und Indien eingeladen, um diese perspektivische Arbeit mit zu gestalten und die weltweite Vernetzung zu fördern. Ebenfalls zum ersten Mal sind auch zivile Mitarbeitende der internationalen Gemeinschaft als Gäste dabei. Eine Internationalität, die sich auch in der Sprachenvielfalt zeigt: Englisch ist die gemeinsame Konferenzsprache, aber alle offiziellen Dokumente werden in Deutsch, Polnisch, Englisch und Japanisch erstellt, und die gesamte Veranstaltung wird von sechs Simultan-Übersetzerinnen und -Übersetzern begleitet.

Mit Blick auf ihre zu Ende gehende Amtszeit bedankt sich Schwester M. Margarete sehr herzlich bei den Schwestern ihres Generalrates, allen Mitschwestern weltweit sowie den zivilen Mitarbeitenden und Partnern an den internationalen Standorten der Ordensgemeinschaft für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung. „Es war eine Amtszeit mit einigen Besonderheiten“, sagt die Generaloberin. Als Mitglied der Deutschen Ordensprovinz wurde sie 2018 in den USA gewählt – beim ersten Generalkapitel der internationalen Kongregation, das nicht in Münster stattfand, sondern im Mutterhaus der amerikanischen Mitschwestern in Springfield, Illinois. Außerdem brachte die Corona-Pandemie erhebliche Einschränkungen für ihre internationalen Leitungsaufgaben, zu denen auch die Visitation gehört, also das persönliche Gespräch mit jeder einzelnen Schwester weltweit. Da von Januar 2020 bis Mitte 2022 das Reisen nicht möglich war, konzentrierten sich die Besuche bei den Schwestern in Konventen in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Kasachstan, USA, Japan, Vietnam und Indien auf die vergangenen beiden Jahre. Parallel wurde die Ordensgemeinschaft weltweit mit modernster Technik ausgestattet, um viele Arbeitstreffen per Videokonferenz durchführen zu können.

In den vergangenen sechs Jahren arbeitete Schwester M. Margarete im international besetzten Team der Generalleitung mit einer weiteren deutschen Schwester, zwei Schwestern aus der Indischen Provinz sowie je einer Schwester aus Polen und Japan zusammen. Die dienstälteste Schwester in diesem Team, Generalsekretärin Schwester Christa Maria Frie, die 1964 in die Kongregation eintrat und kürzlich ihren 80. Geburtstag feierte, arbeitet seit 32 Jahren in verschieden Positionen im Generalat und erlebt ihr sechstes Generalkapitel. Als jüngste Delegierte des Generalkapitels reist die vietnamesische Schwester Nichola Truong, Mitglied der Japanischen Provinz, mit einigen Mitschwestern aus den USA an, bei denen sie zurzeit Englisch lernt. Diese Gruppe legt eine Entfernung von etwa 7000 km Luftlinie zurück, um aus Illinois nach Münster zu reisen; so weit ist es auch für die Schwestern aus dem Mutterhaus der Indischen Provinz in Pithora. Die Entfernung vom Mutterhaus der Japanischen Provinz in Himeji beträgt 9000 km Luftlinie; eine vergleichsweise kurze Anreise von etwa 750 Kilometern haben die Schwestern aus dem polnischen Mutterhaus in Ołdrzychowice-Kłodzkie, während die Mitschwestern aus der Deutschen Provinz nur drei Kilometer entfernt wohnen.

Im Rahmen des 21. Internationalen Generalkapitels der Mauritzer Franziskanerinnen in Münster wird Schwester M. Margarete Ulager (vordere Reihe, 3.v.l., hier mit dem internationalen Team der Generalleitung) am 10. September 2024 aus dem Amt der Generaloberin verabschiedet.

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Neue Website des Generalats nun online

22. August 2024. Das gesamte Team der internationalen Generalleitung der Franziskanerinnen in Münster freut sich sehr, dass heute die neue Website des Generalats online gegangen ist. „Der Online-Gang ist der erfolgreiche Abschluss eines langen und intensiven internen Prozesses“, erläutern Generaloberin Schwester M. Margarete Ulager und die Schwestern des multikulturellen Generalrates. „Unsere Website soll ja durch Struktur, Inhalt und Gestaltung bestmöglich zum Ausdruck bringen, was uns ausmacht – und ein Relaunch ist ein perfekter Zeitpunkt dafür, einige Fragen nochmal ganz grundsätzlich zu diskutieren und sich neu zu vergewissern.“

Ganz zentral dabei: Wie können das wertvolle weltweite Erbe, die Geschichte und die lebendige Gegenwart und Zukunft der internationalen Kongregation im gesellschaftlichen Kontext der heutigen Zeit vermittelt werden? Welche internen und externen Zielgruppen möchten wir mit unserer Webseite ansprechen? Mit welchen Botschaften? Und wie können diese Botschaften nicht nur sprachlich vermittelt werden, sondern auch durch die Struktur und die visuelle Gestaltung? Außerdem im Fokus: Die Aufgabe der Generalats-Webseite als zentraler Anlaufpunkt für die Information und Vernetzung aller internationalen Standorte – eine Aufgabe mit besonderer Aktualität hinsichtlich des kommenden Generalkapitels.

Als Antworten auf all diese Fragen und Anforderungen wurde nicht nur die Navigation der Webseite neugestaltet, sondern auch das Logo des Generalats behutsam aktualisiert und als neue Grundfarbe ein frisches, lebensfrohes Grün gewählt. Außerdem wird bei den zentralen Fotos mit einer individuellen Rundung gearbeitet, die aus der Form des Tau entwickelt wurde. Diese neuen Gestaltungselemente werden nun nach und nach in die Gesamtkommunikation des Generalats übertragen und bereits im Generalkapitel sichtbar werden.

Nutzer der bisherigen Webseite werden die bekannten Inhalte auch auf der neuen Seite finden, aber in einer anderen Struktur. „Die technischen Voraussetzungen haben sich in den letzten Jahren radikal verändert, genauso wie das Informationsverhalten und die Sehgewohnheiten der Menschen sowie die Themen, die gesellschaftlich diskutiert werden“, erläutert Claudia Berghorn, Leitung Kommunikation im Generalat. „Deshalb bietet unsere neue Webseite schnelle Orientierung für diejenigen, die nur eine kurze Information benötigen, und umfassendere Informationen für alle, die tiefer in die Inhalte einsteigen möchten.“

Inhaltlich war es Frau Berghorn besonders wichtig, die großen Leistungen der Ordensschwestern zu würdigen und die internationale Bedeutung der Kongregation zu verdeutlichen. „Als ich vor zwei Jahren anfing, im Generalat zu arbeiten, wusste ich noch gar nicht, wie viele starke Frauen in der Ordensgemeinschaft leben, was diese Frauen alles aufgebaut haben und was sie auch heute weltweit leisten“, erläutert sie. „Inzwischen hatte ich das Glück, viele dieser Frauen näher kennenzulernen, auch Schwestern aus den internationalen Standorten, und bin beeindruckt von dem Mut, dem großen Engagement und dem starken Gottvertrauen, das mir in den persönlichen und beruflichen Entscheidungen und im Lebenswerk der Schwestern begegnet.“ Ein weiteres zentrales Anliegen war es, die Struktur und die Aufgaben der internationalen Kongregation und des Generalats auch externen Zielgruppen verständlich zu machen, die bisher keinen Kontakt mit der Ordenswelt hatten. Daher ist die Sprache einfach gehalten, und kirchliche Fachbegriffe werden erklärt.

Die inhaltliche und grafische Entwicklung der Webseite erfolgte in mehreren Abstimmungsphasen mit dem gesamten Team der Generalleitung. Bei der Umsetzung der Website unter Leitung von Claudia Berghorn arbeitete das Generalat mit einem Netzwerk von Spezialisten zusammen:

Das Team der Website-Umsetzung mit Mitarbeitenden aus dem Generalat und externen Spezialisten.

Die Gestaltung wurde von Christian Lück entwickelt. Der diplomierte Grafikdesigner hat in Münster, Paderborn und Nürnberg studiert und lange in Süddeutschland gelebt; aus dieser Zeit stammt seine Zusammenarbeit mit den Nürnberger Innenstadt-Kirchen, deren Magazin „Mittendrin“ er entwickelt hat und bis heute gestaltet. Aktuell lebt Herr Lück in Siegen und arbeitet u.a. freiberuflich für die Deutsche Welle in Bonn. Die Fotografien stammen von Michael Kestin aus Münster, der vielen Schwestern bereits durch verschiedene Projekte bekannt ist, u.a. die „Zeitzeuginnen-Filme“ und die mediale Begleitung zahlreicher Veranstaltungen, von Ordensjubiläen bis zum Besuch der HSHS-Pilger aus Amerika. Die fachkundige Programmierung erfolgte durch Marko Kuzman in Erlangen, der Herrn Lück und Frau Berghorn durch frühere gemeinsame Projekte bekannt ist. Eng begleitet und unterstützt wurde der Entwicklungsprozess vom IT-Spezialisten im Team des Generalats. Bemerkenswert ist, dass die Zusammenarbeit aller Beteiligter wunderbar geklappt hat, ohne dass sich das Umsetzungsteam je vollständig persönlich getroffen hat – nur bei einem Zoom-Termin waren alle einmal gleichzeitig dabei.

Dipl.-Designer Christian Lück mit Claudia Berghorn im Refektorium des Mutterhauses

Sehr dankbar ist Claudia Berghorn auch für die Unterstützung von Brian Blasco, Direktor Kommunikation und Archivist im U.S. Kanonischen Haus, bei der Übersetzung ins Englische, und all der Schwestern im Mutterhaus in Münster, die Antworten auf historische Fragen hatten und Fotos beisteuern konnten, besonders Schwester M. Dietmara und Schwester M. Manuela.

„An der Entwicklung einer Webseite sind viele Menschen über einen langen Zeitraum beteiligt“, fasst Schwester M. Margarete zusammen. „Ihnen und Euch allen, intern und extern, nah und fern, danken wir ganz herzlich!“ Nun freut sich das Team des Generalats über die neue Internetpräsenz und ist gespannt auf die Resonanz der Schwestern aus aller Welt. Prinzipiell ist eine Webseite aber nie wirklich ‚fertig‘, sondern bleibt dynamisch, da es immer Aktualisierungen und Ergänzungen gibt. Im Generalat wird sich Claudia Berghorn nach Abschluss des Generalkapitels auch noch gemeinsam mit dem Kommunikationsteam der großen Aufgabe widmen, die bewegenden Berufungsgeschichten der internationalen Schwestern, die auf der alten Website gesammelt wurden, auf die neue Seite zu übertragen.

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„Lebendiges Erbe voll Zukunft: 180 Jahre Mauritzer Franziskanerinnen“

Am Dienstag, 2. Juli 2024, feierten die Mauritzer Franziskanerinnen gleich zwei Jubiläen in Telgte: das 180-jährige Bestehen der international tätigen Ordensgemeinschaft und die Gründung der St. Franziskus-Stiftung als Trägerin ihrer Einrichtungen vor zwanzig Jahren. Rund 260 Gäste waren der Einladung von Schwester M. Diethilde Bövingloh, Provinzoberin der Deutschen Ordensprovinz, und Dr. Nils Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der St. Franziskus-Stiftung Münster, gefolgt, darunter mehr als hundert franziskanische Mitschwestern aus ganz Deutschland, die Schwestern der internationalen Ordensleitung mit Sitz in Münster, die Geschäftsführenden der ersten Kliniken, die von den Schwestern gegründet und 2004 in die Franziskus Stiftung überführt wurden, sowie Vertreterinnen und Vertretern aus dem Bistum Münster, der Stadt Telgte, aus anderen Ordensgemeinschaften und aus der Nachbarschaft der Fachklinik.

Der Festakt im Saal des St. Rochus-Hospitals war geprägt von Dankbarkeit für bisher 180 Jahre Dienst der Ordensgemeinschaft, aber auch von Wehmut angesichts der altersbedingten Schließung des Gründungskonvents in Telgte. In ihren Grußworten dankten Wolfgang Pieper, Bürgermeister der Stadt Telgte, und Weihbischof em. Dieter Geerlings den Schwestern für ihr großes Engagement und betonten, dass die Verbundenheit zwischen den Franziskanerinnen und Telgte bestehen bleibt. Das bestätigte auch der Geschäftsführer des St. Rochus-Hospitals und Gastgeber der Jubiläumsfeier, Daniel Freese, der den wirtschaftlichen Mut und die Weisheit der Ordensschwestern hervorhob. „Das St. Rochus-Hospital wurde 1848 von den Franziskanerinnen gegründet. Heute beschäftigt unser Haus inklusive der angeschlossenen Tochtergesellschaften rund 1400 Mitarbeitende. Ich kann Ihnen versichern, dass wir alle uns nach Kräften bemühen, das lebendige Erbe der Schwestern in die Zukunft zu tragen und ihr Werk weiterhin im Sinne der uns anvertrauten Menschen fortzuführen.“

Das St. Rochus-Hospital wurde 1848 von den Franziskanerinnen gegründet. Heute beschäftigt unser Haus inklusive der angeschlossenen Tochtergesellschaften rund 1400 Mitarbeitende. Ich kann Ihnen versichern, dass wir alle uns nach Kräften bemühen, das lebendige Erbe der Schwestern in die Zukunft zu tragen und ihr Werk weiterhin im Sinne der uns anvertrauten Menschen fortzuführen.

Daniel Freese, Geschäftsführer des St. Rochus-Hospitals
Daniel Freese, Geschäftsführer des St. Rochus-Hospitals Telgte, Dr. Nils Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der St. Franziskus-Stiftung Münster, Schwester M. Diethilde Bövingloh, Provinzoberin der Deutschen Ordensprovinz, Weihbischof em. Dieter Geerlings, Wolfgang Pieper, Bürgermeister der Stadt Telgte, Dr. Ludger Hellenthal, Kuratoriumsvorsitzender der St. Franziskus-Stiftung Münster (Foto: Stephan Kube, Greven)

„Geschichte voller Aufbrüche“: Bewegender Dankgottesdienst in der Hospitalkapelle

Für die franziskanischen Ordensschwestern begann der Jubiläumstag mit einem Dankgebet am Grab von Pater Christoph Bernsmeyer, der die „Kongregation der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des Hl. Franziskus“ – so der offizielle Ordensname – am 2. Juli 1844 in Telgte gründete. Vertreten waren Schwestern aus rund zwanzig Konventen der Deutschen Ordensprovinz sowie aus den Provinzen in Polen, Japan und Indien. Danach verabschiedeten sich die Schwestern vom Konventsgebäude am St. Rochus-Hospital in Telgte und schlossen den ersten Konvent der Ordensgemeinschaft, bevor sie mit der gesamten Festgemeinde um 10.30 Uhr einen feierlichen Dankgottesdienst in der Hospitalkapelle feierten.

Zelebriert wurde die Eucharistiefeier vom Spiritual der Franziskanerinnen, Pater Michael Plattig O.Carm. In seiner Predigt gab Pater Michael einen kurzen Überblick über die bisher 180-jährige Ordensgeschichte, die schon immer von Aufbrüchen geprägt war: Bereits 1848 gingen vier Schwestern aus Telgte ins damalige Schlesien, um bedürftigen Menschen zu helfen, und legten damit den Grundstein der heutigen Polnischen Ordensprovinz. Weitere Einsätze führten in die Niederlande, nach USA, China, Japan, Indien, Korea, Haiti, Tansania, Tschechien, Kasachstan und Vietnam. „Diese Einsätze waren im wahrsten Sinne ‚not-wendig‘, denn sie wendeten die Not der Menschen in der jeweiligen Zeit, am jeweiligen Ort“, führte Pater Michael aus. „Von Anfang an gingen die Schwestern dorthin, wo sie gebraucht wurden – immer mit viel Gottvertrauen, aber oft ohne Absicherung und ohne zu wissen, wie lange ihr Einsatz dauern würde.“ Mit dieser Haltung, so Pater Michael, stehe die Ordensgemeinschaft in einer großen Tradition des Glaubens mit biblischen Vorbildern von Abraham bis Jesus: „Sich auf den Weg machen, Aufbruch, nicht Festsetzen und Stillstand.“ Seinen Dank für das weltweite Wirken der internationalen Ordensgemeinschaft verband Pater Michael mit dem Hinweis darauf, dass auch der Abschied aus Telgte in diesem Sinne ein weiterer mutiger Aufbruch sei: „Der Aufbruch in eine Zukunft, die wir nicht kennen, die Gott aber schon bereitet hat!“ Tradition, Gegenwart und Zukunft des Ordens wurden in dem festlichen Gottesdienst auch dadurch symbolisiert, dass ein Kelch zum Einsatz kam, der Ordensgründer Pater Christoph Bernsmeyer gehört hatte. Für die stimmungsvolle musikalische Begleitung sorgten Wolfgang Thesing (Orgel) und Gernot Sülberg (Trompete).

„Gemeinsam auf dem Weg“: Verbundenheit und Dank

Nach dem Gottesdienst begrüßten Schwester Diethilde und Dr. Brüggemann die Jubiläumsgäste im festlich geschmückten Saal des St. Rochus-Hospitals. Mehr noch als die 180-jährige Ordensgeschichte sei der Anlass der Feier die am Morgen erfolgte offizielle Schließung des Gründungskonvents ‚Maria Hilf – St. Rochus‘, betonte Schwester Diethilde: „Deshalb haben wir Sie alle, die Sie ein Stück des Weges mit uns gegangen sind, heute eingeladen, noch einmal beisammen zu sein und unsere Erinnerungen auszutauschen.“ Die Provinzoberin erinnerte auch an den 2. Juli 2004, als die Ordensgemeinschaft ihre Einrichtungen in die Hände der St. Franziskus-Stiftung legte und ihr damit das Erbe der Schwestern anvertraute. Im Namen aller Mitschwestern dankte Schwester Diethilde dem Stiftungsvorstand und allen Mitarbeitenden der Stiftung dafür, dieses Vertrauen seither eingelöst zu haben. Insgesamt haben seit der Ordensgründung etwa zehntausend Mauritzer Franziskanerinnen ihr Leben in den Dienst von Gott und den Menschen gestellt. Außerdem bedankte sich die Provinzoberin herzlich bei der Geschäftsführung und allen Mitarbeitenden des St. Rochus-Hospitals für die gelungene Jubiläumsfeier.

Die Grüße der Stadt Telgte überbrachte Bürgermeister Wolfgang Pieper. In seiner Ansprache dankte er den Ordensschwestern für ihr Wirken und betonte: „Das, was Sie hier geleistet haben, bleibt erhalten!“ Als Zeichen der historischen und zukünftigen Verbindung der Stadt Telgte mit den Franziskanerinnen überreichte er Schwester Diethilde ein Stück aus der Telgter Marienlinde, das von der Künstlerin Simone Thieringer bearbeitet wurde.

Das, was Sie hier geleistet haben, bleibt erhalten!

Wolfgang Pieper, Bürgermeister von Telgte
Bürgermeister Wolfgang Pieper überreicht das Jubiläumsgeschenk der Stadt Telgte an Provinzoberin Schwester M. Diethilde Bövingloh (Foto: Stephan Kube, Greven)

Auch Weihbischof em. Dieter Geerlings dankte der Ordensgemeinschaft für ihren Dienst. Er nutzte die Technik des ‚Reframing‘, um den Abschied der Schwestern aus dem Telgter Gründungskonvent in den größeren Zusammenhang ihrer „Zeitgenossenschaft“ zu stellen, und richtete den Blick auf all das, was die Schwestern in den vergangenen 180 Jahren leisteten. „Je komplexer die Zeit, desto mehr sind Führungsqualitäten gefragt, um mit der Vielfalt umzugehen und Lösungen für die anstehenden Themen zu finden“, erläuterte er. „Diese Führungsqualitäten haben Sie zum Beispiel vor zwanzig Jahren mit der Gründung der Franziskus Stiftung bewiesen, und Sie beweisen Sie auch jetzt.“ Als einer der dankbaren Nachbarn meldete sich Johannes Peperhove zu Wort und stimmte mit der Festgesellschaft das Lied an: „So ein Tag, so wunderschön wie heute!“

Das vielfältige Engagement der Mauritzer Franziskanerinnen und das persönliche Lebenswerk der Schwestern wurde während der Feierstunde beispielhaft durch zwei Videobeiträge gewürdigt. Vorgestellt wurde Schwester M. Martinild Krümpelmann, die dreißig Jahre lang im St. Rochus-Hospital arbeitete, und die niederländische Schwester M. Jacintha Altenburg, die u.a. in den 1960er Jahren prägend war für den Aufbau des Labors im St. Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort und ab 2007 für die Einrichtung der Gedenkstätte Esterwegen. Die musikalische Begleitung am Klavier übernahm der Organist der Ordensgemeinschaft, Markus Schröder. Die Geschenke, die am Ende des Festaktes überreicht wurden, geben Zeugnis von der bleibenden gegenseitigen Verbundenheit der Mauritzer Franziskanerinnen mit Telgte und mit allen Einrichtungen der St. Franziskus-Stiftung, die von den Ordensfrauen gegründet wurden. Von der Geschäftsführung des St. Rochus-Hospitals nahm Schwester Diethilde eine Sandsteinsäule entgegen, die vom Everswinkeler Bildhauer Stefan Lutterbeck aus Überresten der ersten Konventsgebäude gearbeitet wurde. Im Gegenzug schenkte die Provinzoberin im Namen aller Schwestern dem Rochus-Hospital einen Baum für den Garten der Fachklinik. Dr. Brüggemann, Vorstandsvorsitzender, und Kuratoriumsvorsitzender Dr. Ludger Hellenthal überreichten sechs Bronze-Platten der in Ennigerloh geborenen Bildhauerin Hilde Schürk-Frisch sowie Team-Fotos aus den Gründungshäusern der St. Franziskus-Stiftung Münster. Dies waren neben dem St. Rochus-Hospital auch das St. Franziskus-Hospital in Münster, das St. Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort, das St. Elisabeth-Hospital in Meerbusch-Lank, die St. Barbara-Klinik in Hamm-Heesen und die Fachklinik Maria Frieden in Telgte. Inzwischen stehen 26 Einrichtungen unter dem Dach der Franziskus Stiftung.

Schwestern erinnern sich an Aufbau-Arbeit und Wandel im St. Rochus-Hospital

Viele der Schwestern, die an der Jubiläumsfeier in Telgte teilnahmen, haben eine besonders enge persönliche Verbindung zum St. Rochus-Hospital, weil sie selbst dort gearbeitet und den Ausbau der Fachklinik aktiv mitgestaltet haben. „Als ich 1976 im Rochus-Hospital anfing, war ich die erste ausgebildete Ergotherapeutin und habe diese Abteilung Schritt für Schritt aufgebaut“, erinnert sich beispielsweise Schwester M. Manuela Musholt, die 20 Jahre lang in Telgte tätig war. „Inzwischen ist daraus ein Fachbereich mit 23 Mitarbeitenden geworden.“ Vor ihrem Einsatz absolvierte die bereits examinierte Kinderpflegerin und Krankenschwester eine dreijähre Ausbildung zur Ergotherapeutin in Hannover und Münster. „Die exzellente fachliche Qualifikation ist in unserem Orden schon immer sehr wichtig gewesen“, berichtet sie. Das bestätigt auch Schwester M. Cäcilia Musekamp, die von 1992 bis 2004 als Pflegedienstleiterin und Krankenhausoberin im St. Rochus-Hospital tätig war und sich durch eine Zusatzausbildung in Regensburg auf diese verantwortungsvolle Tätigkeit vorbereitet hatte.

Beide berichten über bewegte und bewegende Arbeitsjahre in einer Zeit, in der sich die Behandlung von seelisch erkrankten Menschen grundlegend geändert habe. So hätten sich durch Beschäftigungs- und Kreativprogramme im Rahmen der Ergotherapie ganz neue Möglichkeiten eröffnet, die Patienten und Patientinnen in ihren lebenspraktischen Fähigkeiten zu stärken, während die Einführung von Psychopharmaka die medizinische Therapie revolutionierte. Ebenso revolutionär war damals die Einführung von gemischten Stationen im St. Rochus-Hospital, in dem ursprünglich nur Frauen behandelt wurden. „Der erste männliche Patient wurde mit einem Blumenstrauß empfangen“, erinnern sich die Schwestern lachend.

Zunehmend wurden auch zivile Mitarbeitende eingestellt, während früher nur Franziskanerinnen in der Leitung der Stationen und der Betreuung der Patienten und Patientinnen tätig waren. Parallel gab es eine rasante bauliche Entwicklung des St. Rochus-Hospitals, die Schwester Cäcilia als Mitglied des Direktoriums mittrug und steuerte. Dazu gehörte der Aufbau von Tageskliniken in Warendorf und Ahlen, der Bau neuer Häuser für die Bewohner und die Einrichtung von Wohngruppen auf dem Hospitalgelände und in der Stadt. Deutlich mehr als die Bausitzungen habe ihr aber die wunderbare Aufgabe gefallen, immer ein offenes Ohr für alle Belange der Mitarbeitenden zu haben. Für die Belange der älteren Ordensschwestern hat sich Schwester M. Christfriede Fischer eingesetzt, die von 2008 bis 2022 in den Altenheimen der Franziskanerinnen arbeitete und bis zur Schließung des Gründungskonvents in Telgte wohnte. „Als ich 1963 zusammen mit 30 Schwestern meine erste Profess ablegte, gab es in unserer Provinz fast 100 Häuser und international ungefähr 3000 Mauritzer Franziskanerinnen“, erinnert sie sich.

Übereinstimmend betonen die Ordensschwestern, dass im St. Rochus-Hospital schon immer ein besonderer Geist herrschte, der auf das franziskanische Menschenbild gründete. Das sei natürlich im direkten Umgang mit den Patientinnen und Patienten deutlich geworden, aber auch schon in der immer wertschätzenden Sprache. „So war das St. Rochus-Hospital immer eine Fachklinik und nie eine Anstalt“, führen die Schwestern aus. „Alle Stationen tragen Namen und keine Nummern, und wir arbeiteten auf geschützten Stationen, nicht auf geschlossenen.“ Dass dieser franziskanische Geist heute von den Mitarbeitenden weitergelebt und in die Zukunft getragen wird, tröstet die Schwestern und erfüllt sie mit ganz viel Dankbarkeit.

Lange in Telgte tätig, v.l.n.r.: Schwester M. Manuela Musholt, Schwester
M. Christfriede Fischer, Schwester M. Cäcilia Musekamp

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Neues Mitglied im Team des Generalats: Sandra Mergenthaler

25. Juni 2024. Anfang Juni begrüßten die Schwestern und Mitarbeitenden der Generalverwaltung Sandra Mergenthaler im Finanz- und Controllingteam. „Ich bin sehr froh, hier zu sein, und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Schwestern und meinen neuen Kolleginnen und Kollegen in diesem interessanten internationalen Umfeld“, so Frau Mergenthaler. Ihre Hauptaufgabe wird die Finanzbuchhaltung sein.

Frau Mergenthaler hat einen beruflichen Hintergrund im Bankwesen und in der Vermögensverwaltung. Sie schloss 1999 ihre Ausbildung zur Bankkauffrau ab und absolvierte eine Zusatzausbildung zur Sparkassenfachwirtin. Frau Mergenthaler lebt mit ihrem Ehemann sowie zwei Söhnen im Alter von 17 und 10 Jahren und einer 14-jährigen Tochter in Albersloh.

Sandra Mergenthaler, neue Kollegin im Generalat

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Internationale Gäste: Schwester M. Jincy und Schwester M. Jeena

Auf Einladung der Generaloberin, Schwester M. Margarete Ulager, verbrachten Schwester M. Jincy und Schwester M. Jeena aus der Indischen Provinz, die in Rom studieren, ihre Osterferien in Deutschland. Vom 25. März bis zum 4. April wohnten sie im Mutterhaus in Münster, wo sie – wie schon bei ihrem ersten Besuch im vergangenen Jahr – von den Schwestern beherbergt wurden.

Osterferien im deutschen Mutterhaus: Sr. Jincy (li.) und Schwester Jeena

Wir sind Schwester Margarete und allen Schwestern im Mutterhaus sehr dankbar und freuen uns sehr, wieder in der St. Antonius-Gruppe willkommen zu sein. Wir haben uns bei allen sehr wohl gefühlt.

Schwester M. Jincy und Schwester M. Jeena

Gemeinsam mit den Schwestern aus der Generalleitung und der Deutschen Provinz erlebten unsere indischen Mitschwestern die Karwoche und die feierlichen Ostergottesdienste. Sie hatten auch die Gelegenheit, die Stadt Münster und die Umgebung ein wenig besser kennenzulernen. Leider war das Wetter nicht sehr gut: Es regnete sehr viel.

Schwester Jeena und Schwester Jincy mit den Schwestern der St. Antonius-Gruppe

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Zurück zu den Wurzeln: Pilgerfahrt nach Assisi

Vom 5. bis 10. April 2024 nahm Frau Claudia Berghorn, zuständig für die Bereiche Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit in der Generaladministration, an ihrer ersten Pilgerfahrt nach Assisi teil. Sie reiste mit einer Gruppe von Führungskräften, die für verschiedene Einrichtungen der St. Franziskus Stiftung arbeiten. In Assisi wurden die Pilgernden von einem hochkompetenten Team begleitet: von Bruder Prof. Dr. Niklaus Kuster OFMCap, dem renommierten Franziskusforscher und Hochschullehrer aus der Schweiz, und der bekannten deutschen Klara-Spezialistin Dr. Martina Kreidler-Kos. Beide haben zahlreiche Bücher über den heiligen Franziskus und die heilige Klara von Assisi veröffentlicht, darunter eine umfassende Doppelbiographie, und beide kennen die Stadt Assisi bestens.

Von diesem Fachwissen haben wir sehr profitiert. Wir konnten tiefe Einblicke in das Leben und die Spiritualität des heiligen Franziskus und der heiligen Klara gewinnen und haben bei schönstem Frühlingswetter viele der historischen Stätten besucht.

Claudia Berghorn

Während ihrer sechstägigen Reise erfüllte Frau Berghorn auch Arbeitsaufträge in Assisi: Gemeinsam mit Dr. Ulrike Tessarek von der St. Franziskus-Stiftung und dem Münsteraner Fotografen und Videofilmer Michael Kestin interviewte sie Bruder Niklaus und Dr. Kreidler-Kos zu verschiedenen Aspekten der franziskanischen Spiritualität.

Film Team, v.l.n.r.: Claudia Berghorn (Generalat), Dr. Martina Kreidler-Kos, Brother Prof. Dr. Niklaus Kuster OFMcap, Dr. Ulrike Teßarek (St. Franziskus-Stiftung)

Ein weiteres wertvolles Ergebnis der Reise besteht in einer Vielzahl hochwertiger Fotos von Assisis wunderbaren Landschaften, den heiligen Stätten und den Kunstwerken, die unsere Kongregation nun jederzeit in gedruckten oder digitalen Publikationen verwenden kann.

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